Online-Vortrag „Frauen im Urchristentum“: Tolle Resonanz

Verlegung mit Happy-End: Der Vortrag über Frauen im Urchristentum gehörte zu den Highlights im Jahresprogramm 2020 unserer Aktionsgruppe im Südlichen Strohgäu. Doch aufgrund der Corona-Beschränkungen mussten beide Termine vor Ort im Gemeindezentrum von St. Maria in Ditzingen abgesagt werden, einmal im April und nun im November. Ein drittes Mal wollten wir nicht umplanen – und sind kurzerhand in den virtuellen Raum ausgewichen. Offensichtlich die goldrichtige Idee! Denn am Dienstag 17.11.2020 verfolgten stattliche 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die hochinteressante Präsentation. Frauen und Männer, altersmäßig ebenso gemischt wie vom Wohnort her. Schließlich war das Publikum dank Internet nicht auf die Region beschränkt.

Die Vortragende, Dr. Christin Probst, war in der Materie erkennbar zu Hause. Temperamentvoll, mit viel Humor und erkennbarer Sympathie für die engagierten Urchristinnen skizzierte die Theologin und Bildungsreferentin bei der Katholischen Erwachsenenbildung Kreis Ludwigsburg zunächst das gesellschaftliche Umfeld, in dem sich Frauen damals bewegten. Das relativ liberale römische Recht bot den frühen Christinnen vielfältige Möglichkeiten, in der Gemeinde aktiv zu werden und auch Ämter zu übernehmen. Doch schon nach wenigen Jahrzehnten setzte der Gegenwind ein. Ämter durften ausschließlich von Männern besetzt werden, Frauen waren nur noch als ehrenamtliche Helferinnen gefragt. Eine Entwicklung und verhängnisvolle Tradition, die sich bis bekanntlich heute fortsetzt. Umso erfrischender wirkt die Geschichte der Thekla von Ikonium, die in den Paulus-Akten überliefert ist. Gespickt mit vielen Zitaten, zeichnete Christin Probst ein lebendiges Bild dieser in der westlichen Kirche fast unbekannten Heiligen. Thekla widersetzte sich erfolgreich den Heiratsplänen ihrer Mutter, verließ ihren Verlobten, folgte dem Apostel Paulus und wurde zwei Mal durch ein Wunder vom Martyrium gerettet. In ihrem späteren Leben verbreitete sie unermüdlich die Botschaft Jesu. Sie starb in hohem Alter als Eremitin in Seleukia (Südtürkei) und wird in der Ostkirche tief verehrt als Apostelgleiche und erste Märtyrerin. Selbst über den Abstand von fast zweitausend Jahren sind in den alten Texten der Mut und der Widerspruchsgeist Theklas quasi mit Händen zu greifen – und können heute auch uns inspirieren. Dieses Fazit zogen viele der Teilnehmenden. Denn im Anschluss an den Vortrag gab es noch Raum und Zeit für Fragen im Video-Chat. Eine Möglichkeit, die sehr lebhaft genutzt wurde. Die Aktionsgruppe jedenfalls hat von diesem anregenden Abend einen klaren Auftrag mit nach Hause genommen: den Wunsch nach einer baldigen Fortsetzung eines solchen Vortragsprogramms.

Nicola Steller, für Maria, schweige nicht! im Südlichen Strohgäu