Kleine Kirchengeschichte

 

 

 

Schon im frühen 8. Jahrhundert wurde in Ditzingen eine erste Lambertuskirche erbaut. Sie war der Vorgängerbau der heutigen “Speyrer Kirche auf dem städtischen Friedhof. Im 12. Jahrhundert kam eine zweite Kirche, eine Marienkirche, hinzu. Nachdem es im 13. Jahrhundert an der Glems, dem Grenzfluß zwischen Franken und Alemannen, zu Streitigkeiten zwischen den beiden Bistümern Konstanz und Speyer gekommen war, bestand Ditzingen fortan aus zwei katholischen Pfarreien.

Die zweite Kirche wurde 1477 durch die heute noch bestehende “Konstanzer Kirche“ ersetzt, und nur wenige Jahre später entstand auch die heutige “Speyrer Kirche“. Mit dem Einzug der Reformation in Württemberg Mitte des 16. Jahrhunderts wurden beide Kirchen evangelisch. Erst nach dem Ende II. Weltkriegs, als viele Heimatvertriebene aus dem Osten in den Großraum Stuttgart kamen, bildete sich wieder eine katholische Kirchengemeinde. 1946 wurde wieder ein katholischer Priester nach Ditzingen entsandt. Als provisorischer Gottesdienstort diente dabei die “Speyrer Kirche“, die jedoch bald zu klein wurde.

Auf Wunsch des damaligen Seelsorgers Leo NebI, der bis 1960 Kurat in Ditzingen war, sollte die neue Kirche der Rosenkranzkönigin geweiht werden, denn die meisten seiner Gemeindemitglieder waren wie er Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Heimatlose, die während oder nach dem Krieg oft großes Leid ertragen mussten. Viele von Ihnen haben in dieser schweren Zeit durch das Beten des Rosenkranzes Trost, Stärke und Hoffnung erfahren. Daran sollte der Name der neuen Kirche erinnern.

Nach dem ersten Spatenstich am 27. Mai 1962 begannen nach Plänen des Stuttgarter Architekten Franz Brümmendorf die Bauarbeiten für den Neubau der katholischen Kirche “St. Maria, Königin des heiligen Rosenkranzes“ auf bis dahin brachliegendem, sumpfigem Gelände hinter dem Ditzinger Schloss.

Im Jahr 1963 wurde die “katholische Gottesdienststation Ditzingen“ von der zuständigen Muttergemeinde Stuttgart Zuffenhausen abgetrennt und zur eigenen Pfarrei erhoben.

Am 16. Mai 1965 weihte der damalige Bischof von Rottenburg Carl Joseph Leiprecht die neue Kirche und schloss damit die fast 500-jährige Lücke in der katholischen Ditzinger Kirchengeschichte.

Die Bauzeit dieser Kirche ist höchst interessant, weil sich am 11. Oktober 1962, also wenige Wochen nach dem Baubeginn, in Rom die katholischen Bischöfe zum II. Vatikanischen Konzil versammelten. Vor allem im Bereich der Liturgie sollte dieses Konzil große Veränderungen mit sich bringen, wie zum Beispiel die Einführung der Volkssprache oder die zum Volk hin gewendete Feier der Messe. Noch bevor am 4. Dezember 1963 diese Neuerungen beschlossen wurden, begann in Ditzingen schon ihre architektonische Umsetzung.

Diese Kirche ist damit eine der ersten in Deutschland, die nach dem Liturgieverständnis des II. Vatikanischen Konzils konzipiert und gebaut wurde. Sie wurde deshalb 1998 vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg in die Liste der schutzwürdigen Kulturdenkmäler aufgenommen.

Quelle: Herbert Mendlik, Stefan Pappelau: St. Maria, Königin des hl. Rosenkranzes, Ditzingen, 2002 (C) 2009 webteam St. Maria, Christian Kerk

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